Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

 

der Blumenladen / stationäre Performance / 20. Mai bis 1. Juni 2008 in Bonn

 

"Seit einigen Jahren baut der Fotograf und Künstler Wolf Klein seinen 'Blumenladen' an unterschiedlichen

Orten auf, in U-Bahnhöfen, Ladenräumen und bei Ausstellungen; während der UN-Naturschutzkonferenz

ist er im Foyer der Bundeskunsthalle zu finden."

 

"The Flower Shop" - stationary display

 

The Flower Shop (der Blumenladen) is like any other flower shop, with one small exception - all the flowers

are in fact photographs. The flowers for sale in Wolf Klein‘s shop are photo-art.
For some years photographer and artist Wolf Klein has been setting up his "flower shop" at various different

locations - in underground stations, in shops and at exhibitions. During the UN biodiversity conference it

will be set up in the foyer of the National Art and Exhibition Hall.


Venue: Foyer of the Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
(Art and Exhibition Hall of the Federal Republic of Germany)

 

 

 

 

 

 

Logbuch ohrenkuss

Bonn, 31. Mai 2008 Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Blumenladen aus Holz
Diese Blumen ist gestaltet als Foto gemacht von Wolf Klein aus Berlin.
Er verkauft Blumen auch für 5 EUR und das Holzhaus heißt
Blumenladen, das nur aus Holz gebaut ist.
Das Kunstwerk ist toll.
Das Kunstwerk besteht aus verschiedenen Blumenmerkmalen auf Papier.
Der Wolf Klein hat dem Foto Blumen ausgeschnitten mit dem
guten Form und als Hintergrund geschnitten, mit Blättern hat er auch gemacht.
Diese Laden ist günstig als ein echte Blume, weil da sind nur
die Fotos gemacht sind, weil für mich eine echte Blume kaufen dürfte.

Im Kunstmuseum in Bonn über die Fotos aus Blumen am 31.5.2008 Ohrenkuss-Team
Angela Fritzen, Julian Göpel, Verena Günnel und Björn Langenfeld
www.ohrenkuss.de

 

 

 

Post

 

Hallo Wolf,

nun beschäftige ich mich schon zwei Tage mit dem Blumenladen und den Begegnungen, die Sie geschildert haben.

Ich bin sicher, dabei wird es nicht bleiben. Es freut mich, dass es jemanden gibt, der Menschen in Worten fotografiert.

Oft auf solch komische Weise, die ich bisher nur bei Uwe Timm angetroffen habe. Leider sind seine Beschreibungen

oft traurig und komisch zugleich oder schwermütig, so dass ich nur selten mehrere Geschichten am Stück lesen

kann (bis auf Rennschwein Rudi Rüssel).
Bei Ihren Geschichten / Bruchstücken / Gedanken ist es dagegen so, dass sie mich zum Nachdenken bringen oder

zum Lächeln. Manchmal wundere ich mich auch darüber, dass Sie so viel Geduld haben und freue mich, wenn es

Ihnen einmal nicht gelingt, nur Beobachter zu sein.
Es ist schön, dass Sie die kleinen Dinge des Lebens sehen und es sich zugetraut haben, diese in einem Buch

herauszubringen. Ich war auf ebensolche Weise glücklich mit Ihrem Buch in Händen, die ersten Seiten gestern auf

dem Nachhauseweg lesend (nein, ich habe alle Laternenpfähle ausgelassen und die murrenden ausweichenden Leute

ignoriert), wie zu dem Zeitpunkt, als ich die ersten Gedichte und Lieder von Gundermann gelesen habe.

Es gibt nicht viele, die Ihre Mitmenschen so treffend, mit wenigen Worten (oft sind es ja die reinen Monologe)

beschreiben können.
Ich habe gestern in Bonn gegen 17.00 Uhr nach anfänglichem Zögern nach Ihrem Buch gefragt und es gekauft.

(Ach ja, nach Fotos von Margeriten und Vergissmeinnicht habe ich gefragt - vielleicht haben Sie innerlich die Augen

gerollt darüber...) Nun bin ich gespannt, ob und wie Sie mich beschreiben :0) bzw. wie Sie mich gesehen haben.

Viele Grüße (und eine gute Heimreise wünsche ich Ihnen) C.H.

 

 

 

nach dem letzten Tag

 

Die Delegierten der großen internationalen Konferenz sind schon seit drei Tagen wieder weg.

Ich räume den Blumenladen aus, packe die Blumen ein und fahre nach Berlin.

Die Zeit in Bonn war wunderschön. Und herzlichen Dank für die Realisation an

Dr. Carola Dürr, Kuratorin des Kulturprogramms zur Biologischen Vielfalt;

Stephan Andreae, Leiter des Forums der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

und die Menschen der Bundeskunsthalle.

 

Ich habe einen schönen Abschiedsgruß mitbekommen: "Bleib auf der guten Seite der Menschen!"

 

 

 

Nelke

 

An einem der letzten Tage kam eine ältere Dame zum Blumenladen. Sie hatte den Text

über den Blumenladen in der Broschüre gelesen und das Bild mit dem Bild der Nelke gesehen.

Und sie fragte, ob ich denn genau das Bild der Nelke, das auf dem Bild zu sehen ist, noch

hätte. Und ich hatte tatsächlich noch genau das Bild der Nelke da. Allerdings sah das 

Bild der Nelke in echt doch etwas anders aus als das Bild der Nelke auf dem Bild. Und es 

entsprach nicht ihrer Vorstellung. Sie hat dann eine ganz andere Blume gekauft.

 

 

 

der letzte Tag

 

Ein Paar.

Sie: "Schnittblumen. Aber mindestens ist das mal eine - außergewöhnliche"

Und dann verstummt sie und geht.


Tagesumsatz: 13 Euro

 

 

 

Tag zwölf

 

Eine Frau aus Bayern sagt zu ihrem Mann: "I wollt ma das amol anschaun."

Dann kommt sie zum Blumenladen. "Ach, das ka man ja tatsächlich kaufen."

"Ja."

"Ach, I hab gedacht, das is'n Kunstwerk."

"Ist es ja auch."

"I hab gar net gesehn, dass do einer drinsitzt."

"Ja."

"Sind Sie auch a Kunstwerk?"

"Ja."

Dann ergreift sie die Flucht.

 

Vier ReporterInnen von Ohrenkuss befragen den Blumenhändler und kommen zum

Ergebnis, dass ihnen echte Blumen lieber sind.

 

Ein gutsituiertes Ehepaar kauft eine Geranie im Topf. Und hat überhaupt nichts verstanden.

 

Tagesumsatz: 39 Euro

 

 

 

Tag elf

 

Die investigative Kunstjournalistin Marion Löhndorf hat einen ganz wunderbaren Text über den Blumenladen
in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland geschrieben. Heute in der taz.
Ganz besonders freut mich: "Die Papierblumen sind im Billigholzhaus in den geschmacklichen Rahmen einer
Woolworth-Wirklichkeit gesetzt, (...)". Weil ich die meisten Blumentöpfe tatsächlich bei Woolworth gekauft habe.
Nirgendwo sonst gibt es so eindrucksvolle Terrakottanachbildungen in Vollplastik.

 

Und einmal im Leben im Perlentaucher erwähnt werden.

 

Der Tag beginnt ruhig.

 

Zwei Frauen. Die eine zur anderen: "Wir müssen jetzt mal fragen."

"Guten Tag. Können Sie uns sagen, was das hier zu bedeuten hat?"

"Das ist ein Blumenladen, der mit den Mitteln der Fotografie nachgebildet ist."

"Ach so!" "Ah so!" Und weg sind sie.

Was haben sie denn jetzt verstanden?

 

Am Nachmittag kaufen plötzlich alle Menschen Blumen und Bücher. Und sind ganz

begeistert. Auch der nette Kaffeemann vom Kunstmuseum Bonn.

 

Tagesumsatz: 86 Euro

 

 

 

Leben im Museum

 

 

 

 

Tag zehn

 

Ein üblicher Tag. Ruhig. Zwei Busladungen Senioren haben Führungen durch Daigo-ji gebucht.

"Die Blumen gehören zu Japan?"


Am Nachmittag kauft eine freundliche Frau Blumen und das Buch. Wir freuen uns beide.


Tagesumsatz: 18 Euro

 

 

 

Leben im Museum

 

 

 

 

Tag neun

 

Eine Frau. "Sie sind ja nun zum Zeitraum der Naturschutzkonferenz hier. Welchem Zweck fließt denn

das Geld zu?"

"Mir."

"Aha. Das ist also ein Verkaufsladen."

Sie erklärt mir, dass sie gleich zur Ausstellungseröffnung einer Künstlerin aus Südafrika eingeladen ist.

"Und ich suche nun hier in der Kunsthalle etwas, das ich der Künstlerin mitbringen könnte. Haben Sie denn

eine Blume, die einen Bezug zu Südafrika hat?"

Die habe ich wohl nicht. Zumindest nicht nach ihren Vorstellungen. Sie erzählt noch einen Haufen Zeug

aus ihrem Wohlstandsleben. Und dass sie aus Madeira eine ganz tolle Blume mitbrachte. "Die hat ihren

Ursprung ja in Südafrika. Die haben Sie nicht zufällig?" Die Blumen hier sind ihr zu "hiesig".

"Vielleicht so ein Kleeblatt."

"Das sind Geranien."

"Ach, Geranien?"

Geranien haben ihr auch zu wenig Bezug zu Südafrika.

"Ich denke nochmal drüber nach. Ich denke drüber nach."

Und weg ist sie; geht in den Museumsshop gegenüber und kauft Nippes.

 

Tagesumsatz: 0 Euro

 

 

 

Leben im Museum

 

Wahrscheinlich meinen die Menschen so was, wenn sie sagen: "Lebendes ist mir lieber!"

 

 

 

Tag acht

 

Sizilien ist vorbei. Es ist ruhig, ganz ruhig in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik

Deutschland. Die wenigen Menschen, die heute die Kunsthalle besuchen, nehmen sich Zeit.

 

Eine Frau kauft eine Schnittblume.

 

Eine ältere Frau kommt vorbei. Interessiert sich. Sie findet das interessant mit dem Blumenladen.

"Und ein so 'n Bild soll fünf Euro kosten? Ist das für 'nen guten Zweck?"

Ich erkläre, dass das Fotografien sind, Bilder, Kunst, und so weiter.

"Das sehe ich. Aber fünf Euro ist doch sehr viel für so 'n Bild. Ich gehe jetzt erstmal in die Japan-

Ausstellung, danach komme ich wieder her und schaue mir das hier genauer an."

Ich sehe sie nie wieder.

 

Der Blumenladen ist ganz ähnlich wie der japanische Buddhismus nebenan. Man muss sich schon
ein bisschen Zeit nehmen, sich auf die Bildwelten einlassen. Sonst versteht man gar nix.

 

"Mystik und Bildlichkeit. Der Umgang mit dem Bild. Die Ausstellung führt den Besucher in die dem 

Europäer zunächst fremde, manchmal auch befremdliche Bilderwelt dieser mystisch inspirierten

Form des Buddhismus ein. Die Bildsprache unterscheidet sich sehr vom bildlichen Ausdruck in den

uns vertrauteren monotheistischen Religionen. Mystisches Denken steht allgemein in einem 

problematischen, aber auch produktiven Verhältnis zum Bild. Einerseits sucht die Mystik das Wahre

und Heilige jenseits der Worte und Bilder, andererseits findet sie es gerade auch in Worten und 

Bildern - manchmal in den Bildern noch mehr als in den Worten. Neben der Bildkritik tritt somit die

aktive Nutzung der Bildlichkeit als Zugang zur Realisierung der mystischen Wahrheit."

 

Tagesumsatz: 3 Euro

 

 

 

Leben im Museum

 

Frühmorgens und abends spät mache ich einen rituellen Gang zum Rhein und übergebe ihm den ganzen

Dreck, der tagsüber bei mir angespült wird. Der große Fluss nimmt in seiner Gleichmut alles auf und

trägt es davon.

Mein Weg ist wunderschön; durch die Heussallee, dicht bewachsen mit Kastanien und Platanen; vorbei am

Tulpenfeld, am ehemaligen Abgeordnetenhaus und am Wasserwerk; die Relikte der historischen Bonner

Republik.

 

 

 

Tag sieben

 

Montag. Ein Tag Pause. Montags sind traditionell die Blumenläden geschlossen. Die Museumsmenschen beseitigen die Spuren der hunderttausend Museumsmeilenfestbesucher, die weißen Wände werden wieder weiß gestrichen, drinnen und draußen wird geputzt.

 

 

 

Tag sechs

 

Heute Morgen bin ich einer Frau gegenüber ausfallend geworden, die vorm Blumenladen das Foyer der

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland putzte.

"Sachen Se mal, ist das für 'n guten Zweck?"

"Ja, für mich."

"Drei Euro für Papier?"

"Das sind Fotografien. Bilder. Originalfotografien. Dafür ist drei Euro verdammt billig!"

"Sind Sie der Künstler?"

"Ja."

"Drei Euro für Papier?"

"Wir sind hier in einer Kunsthalle. Das sind Bilder! Was glauben Sie denn, was die Bilder da oben kosten?!"

"Ich frag ja bloß. Wir haben uns Gedanken gemacht."

Die haben sich Gedanken gemacht. Es funktioniert.

 

Zwei Frauen. "Eine Schnittblume drei Euro." "Für fünfzig Cent hätte ich ihm ja eine abgekauft."

 

"Braucht man nicht gießen."

 

Eine Frau. "Sind da die Samen für die Blumen bei?"

"Nein."

"Sie sollten die Samen dazu tun."

"Hm."

 

Eine Frau. "Sind die mit Musik?"

"Hm?"

"Ist da Musik drin?"

"Das sind Fotografien."

"Und warum ist das so schwer?"

"Das ist der Topf."

 

Ein Mann. Guckt als wolle er mir gleich eine langen.

"Gerade wegen Naturschutz wär ja wohl was Echtes angebracht. Und nicht hier mit Farbe und Plastik."

"Sie sind hier in einer Kunsthalle. Was soll das denn mit Natur zu tun haben?"

Guckt und geht.

 

Eine Frau kauft drei Schnittblumen.

 

Eine Mutter mit Tochter kauft eine Schnittblume.

 

"Braucht man nicht gießen. Ha ha."

 

Zwei Frauen. "Ich hab ja keine Brille auf. Ist das alles Papier? Süß."

 

Zwei Frauen. "Witzig. Das muss neu sein."

 

Drei Menschen. Sehen die Blumen. "Och, wie schön."

Sehen die Preisschilder. "Guck mal, was die kosten sollen."

 

Eine Frau, kurz vor Feierabend. "Ist das Kunst?"

"Ja."

"Sind Sie der Künstler?"

"Ja."

"Und Sie kriegen hier so einen Raum ganz für sich? Wohl gute Beziehungen, was?"

"Ganz und gar nicht. Ein gutes Projekt."

Sie bricht in Gelächter aus.

"Die Kärtchen sind ja ganz hübsch. Nett." Ironischer Unterton, schleimig-hinterhältiges

Grinsen. "Haben Sie schon viel verkauft?"

 

Tagesumsatz: 12 Euro

 

 

 

Tag fünf

 

Drei Minuten vor zehn vor der Bundeskunsthalle.

Um zehn Uhr werden die Türen geöffnet. Exakt um zehn Uhr. Und dann werden sie reingelassen.

Drei Minuten nach zehn.

 

Immer noch Museumsmeilenfest.

 

Ein Mann. "Kann man hier was schießen?"

 

"Das musst du dir mal überlegen. Das bisschen Papier, was das kosten soll." Eine Mutter mit Kind, voller Entrüstung,

 schreit durch's halbe Foyer.

 

Eine Kundin kauft eine Wandblume.

 

Zwei Frauen. "Das ist ja sehr schön." "Ja. Das ist bestimmt japanisch."

Ich erkläre, dass das ganz im Gegenteil sehr deutsch ist.

"Ach, ich dachte das hätte mit der Japan-Ausstellung hier zu tun."

 

Eine Frau. "Entschuldigung, ich kenn Sie doch aus Berlin? Ich hab vor Jahren bei Ihnen mal 'ne gelbe Gerbera gekauft.

Und Sie waren doch mal am U-Bahnhof. Und, läuft das denn? Ich find das ja sehr schön. Aber es sind halt nur kleine

Fotos. Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall viel Erfolg."

 

Tagesumsatz: 9 Euro

 

 

 

Tag vier

 

Zur Unterstützung habe ich konkrete Poesie aus Berlin bekommen:

 

Die Karten sind schön geworden.
Du musst nur durchhalten.
Halte durch
halte
durch
A.

 

Heute gibt es nichts umsonst im Museum. Deshalb sind die schlangestehenden Menschen zu Hause geblieben.

 

Die Japaner sind da.

Zwölf japanische Mönche vom Heiligen Berg nach ihrer rituellen Performance.

Und beim Fototermin.

 

 

 

Tag drei

 

Museumsmeilenfest. Volksbelustigung für die ganze Familie. Vier Tage lang. Kinder mit Luftballons, Eltern mit blanken Nerven, Menschen in Massen. Und eigentlich weiß keiner warum eigentlich. Die pure Langeweile des Daseins treibt die Menschen raus. Und dann klumpen sie auf einem Haufen. Und sobald der Mensch vom Einzelnen zum Volk wird, ist Schluss mit lustig. Menschen im Museum sind genauso doof und nervig wie Menschen sonstwo.

 

Eine Frau hält eine Topfblume in der Hand.

"Darf ich mal fragen, was das zu bedeuten hat? Dafür soll man neun Euro bezahlen?"

"Klar." 

"Und wieso?"

"Weil's die Fotografie einer Blume ist."

"Fotografie einer Blume. Verstehe."

Geht.

 

Mutter und Tochter. Die Luxusvariante. Beide mit Handtasche von Louis Vuitton. Die Alte trägt einen Schal von Hermès und ist mit Schmuck behängt. "Guck mal, das Ding soll wirklich neun Euro kosten."

 

Eine Frau kauft zwei Wandblumen. "Sie waren doch bei uns im Kunsthaus in Essen. Das ist so schön. Ich finde das so schön.

Ich verschenke die immer. Die Kärtchen sind so süß."

Sie hat noch eine Freundin dabei. Die versteht das alles nicht. "Ich verstehe das nicht. Was kaufst du hier?"

"Na, die Kärtchen."

"Und was machst du dann damit?"

"Ich verschenke die. Oder nur so."

 

Gerade steht wieder so 'ne Mutter mit fliehendem Kinn am Blumenladen und erklärt ihrer kleinen Tochter, dass das alles Blumen sind, die ausgestorben sind. (Rosen, Tulpen und Nelken) Und dass man die kaufen kann. "Eine soll drei Euro kosten. So eine einzige."

 

Ein Verrückter. "Guten Tag. Sie verkaufen die Imaginationen der Blumen. Schöner wär ja 'n richtiger Blumenladen. Da hätte man auch den Duft von den Blumen. Nicht? Also, ich seh das hier so als Mahnmal. Irgendwann sind dann die Blumen weg, und man hat nur noch die Bilder. Na gut, aber Sie machen ja nur Ihren Job. Schönes Fest."

 

Ein junges Paar. Er fasst die Topfblumen an. "Na, du könntest ein so 'n Ding als Gag mitbringen. Aber es ist nicht wirklich schön."

 

Zwei Männer. "Soll ich meiner Frau Blumen mitbringen?" "Kriegste höchstwahrscheinlich gleich 'ne Ohrfeige. Ha ha."

 

Tagesumsatz: 10 Euro

 

 

 

Tag zwei

 

Am frühen Morgen ist ein Mann mit Eimer und Schwamm damit beschäftigt, den Blumenladen zu putzen.

"Das is zu dreckisch hier!"

 

Den kunstinteressierten Bürgern sind die Blumen für vier Euro zu teuer. Deshalb gibt es die Schnittblumen

heute für drei Euro.

 

"Ach wie süß."

 

"Verkaufen Sie Hörer?"

 

"Das is ja 'ne süße Idee. Goldig."

 

"Oh. Ich hab 'n Schreck gekriegt. Ich hab nicht gedacht, dass Sie echt sind. Sie standen so steif und starr da."

 

Eine Blume hat niemand gekauft.

 

Tagesumsatz: 0 Euro

 

 

 

Tag eins

 

Eine Frau. "Das ist ja 'ne Superidee. Ganz toll. Und das machen Sie selbst? Ach, das sind Fotos? Und wie lassen

Sie die abziehen?" Sie erzählt dann, dass sie Lehrerin ist und mit ihren Schülern in der sechsten Klasse das jetzt

auch basteln will. "Eine Sonnenblume fotografieren und dann ausschneiden. Ob ich das mit dem Draht auch so

hinkriege, weiß ich aber nicht."

 

Eine Frau. Kommt und kauft ein Dutzend Blumen. Einfach so.

 

Eine Schulklasse. "Oh, cool. Alle gemalt." "Fotografiert." "Fotografiert?" "Fotografiert." "Die duften gar nicht."

"Dafür gehen sie nicht ein." "Cool."

 

"Ist das für 'n guten Zweck?"

 

"Und die Blumen sind alle schon ausgestorben?"

 

"Was sind das denn hier für ulkige Sachen?"

"Das sind Fotos von Blumen. Das ist ein Foto-Blumenladen."

"Ach so."

 

Ein älteres Paar. Vornehme Museumsbesucher. Stehen am Blumenladen und gucken auf einen Pott Blumen,

der auf dem Boden steht. Dann tritt die Frau mit dem Fuß zwei Mal gegen den Blumentopf. Ich weiß nicht warum.

 

"Alle Schnittblumen nur vier Euro. Ja, dat haben Se schön jemacht. Da weiß isch, was isch aus meinen

Blumenfotos mache."

 

Ein schwer verhaltensgestörter Mann mit Vollbart, weißem Hemd und heller Hose läuft seit zehn Minuten im

Foyer hin und her. Er starrt dabei immer auf den Boden. Und immer, wenn er an seinem imaginären Wendepunkt

angekommen ist, macht er mit zitternder Hand Zeichen in die Luft. Dann kommt der Betreuer und vier weitere

seltsame Männer. Und alle bekommen Eintrittskarten und gehen in die Ausstellung.

 

Eine Frau. Sie redet ganz viel, erzählt mir von einem Floristen in Bad Neuenahr, den sie kennt. Der ist angeblich

weltberühmt. "Der hat schon so viele Preise gewonnen. Und er hat ausländische Auszubildende. Sogar aus

Japan." Das ist mir egal.

 

"Was sind das denn für komische Schnittblumen?"

 

"Ach, und das ist für einen guten Zweck?"

 

Tagesumsatz: 50 Euro

 

 

Die Beweisfotos. Der Bundesumweltminister Herr Sigmar Gabriel und der Blumenhändler.

© MS, mit freundlicher Genehmigung des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

 

 

Tag null

 

Der Museumsblumenladen. Jedes Museum hat ein Museumscafé und einen Museumsshop. Und jetzt gibt

es den Museumsblumenladen. Der Gedanke ist so einfach wie naheliegend.

Neu und weltweit einzigartig: der Museumsblumenladen in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik

Deutschland. Nur für kurze Zeit. Kaufen Sie Blumen! Vom 20. Mai bis 1. Juni, täglich außer montags.

Und da es im Museum um die bildhafte Vermittlung geht, gibt es im Museumsblumenladen die Bilder der

Blumen.


Draußen auf dem Museumsplatz haben Menschen eine ganz große Bühne aufgebaut. Dort findet das Eröffnungsfest

für die internationale Konferenz statt. Später werden Musiker von fünf Kontinenten für die Vielfalt spielen. Und Politiker

werden Reden halten. Und Bob Geldof wird singen. Zur Zeit trommeln exotische Trommler in bunten Kleidern für die Vielfalt.
Und ein kleines Dorf aus weißen Zelten wurde aufgebaut. Es gibt unendlich viele Edelfressbuden.

Dort gibt es kleine Leckereien:

'Suckling pig and turkey off the grill in a roll (Regional)'
und 'Oberbergische Brat- und Bockwurst im Brötchen (Regional)'
und 'Mushrooms with herb sour cream (Organic)'
und 'Organic wholemeal bread with spicy curd-cheese and fresh local herbs'
und 'Organic sweet rhubarb on fresh curd-cheese'
und 'Roasted local-grown beef in a bun with coleslaw'
und 'Savoury organic wholemeal pasta with lentils Swabian Style'.
Und alle Sorten Bionade und Biosäfte und Wein; weiß und rot; Bio und Regional. Und Bier. Sowieso Regional.

Und das alles kostenlos. Für siebentausend geladene Gäste. Das ist ziemlich eindrucksvoll.
Und im Foyer der Blumenladen. Die freundliche junge Frau vom Bionade-Stand nebenan sagt: "Und? Also, ich weiß

jetzt gar nicht, wie ich fragen soll, ohne dass das jetzt unhöflich klingt. Was ist das? Also mich spricht das jetzt nicht an.

Und, kann man davon leben? Schwer wahrscheinlich. Obwohl, wenn ich das länger auf mich wirken lasse, das sieht

schon geil aus. Hast du mal überlegt, vielleicht grüne Drähte zu nehmen? Na gut, möchtest du 'ne Bionade?"

 

Ein älteres Paar kommt vorbei. Sie: "Der Blumenladen. Das ist ja nicht gerade preiswert für künstliche Blumen."

Ich sage ihr, dass das keine künstlichen Blumen sind, sondern Kunst-Blumen. Und dass das für handgemachte

Kunst-Blumen sogar sehr preiswert ist.
"Da haben Sie aber Ansprüche. Aber, bestechend, die Idee."
Und ihr Mann sagt: "Sie müssten nach Japan damit."
Dann ziehen sie weiter. Der Mann sammelt noch ein paar der Bio-Haribo-Tütchen ein, die hier überall verteilt rumliegen,

und steckt sie in seinen Stoffbeutel.

 

Ich hatte in den letzten Wochen noch Witze darüber gemacht, und jetzt ist die Künstlergarderobe von Bob Geldof doch

tatsächlich direkt neben meinem Appartement. Und ich habe extra einen Backstageausweis bekommen, sonst würden

die vielen Wachmenschen mich gar nicht mehr durchlassen. Und ich bin jetzt ganz aufgeregt; was sagt man denn, wenn

man Bob Geldof an einem Montagnachmittag auf'm Flur begegnet? "Hi Bob! Nice to meet you. Ich mag auch keine Montage."

Das findet er wahrscheinlich ähnlich lustig wie ich, wenn Menschen zu mir sagen: "Sie sollten mal nach Japan mit den Blumen."

 

Nach seiner Begrüßungsrede auf der großen Bühne besucht der Bundesumweltminister den Blumenladen. Ein sympathischer

Mann. Ich erzähle ein bisschen über den Blumenladen und der Bundesumweltminister bekommt eine Blumenladen-Blume.

(Welche er sich aussucht, ist natürlich streng vertraulich. Ein Staatsgeheimnis.)

Und er bekommt natürlich auch 'ein bisschen Grün' dazu. Das ist möglicherweise etwas taktlos - aber nicht böse gemeint.

 

Und dann spielt Bob Geldof. Und ist richtig gut. Ich dachte immer, na ja, der macht seit Jahrzehnten diese Gutmenschsachen.

Das ist doch auch öde auf Dauer. Aber die Musik ist erstaunlich schön. Und ich mag den alten Mann mit der Geige sehr gerne.

 

Tagesumsatz: 0 Euro

 

 

 

 

noch ein Tag


Eine Frau mit Kind.
"Entschuldigung, können wir so eine Blume kaufen?"
"Gerne."
"Was kostet die denn?"
"Vier Euro."
"Komm, wir gehen!"

 

 

noch zwei Tage

 

Der Blumenladen ist noch nicht ganz fertig. Doch das stört die Menschen nur wenig.

Ein junger, freundlicher Holländer interessiert sich sehr. Er spricht eine lustige Fantasiesprache, die

er für Deutsch hält.

"Haben Sie auch Pampafyphh?"

"Hm?"

"Pampofyff!"

"Tut mir leid, ich weiß nicht, was das ist."

"Na, ich schaue, ob ich sie sehe, irgendwo."

Er kauft stattdessen eine gelbe Rose. Die ist auch schön.

 

Zwei Frauen.

"Eine Blume fünf Euro? Wie? Eine Blume oder ein Kärtchen? Das meint der doch nicht ernst?! Ein so 'n Kärtchen?"

"Die hat der alle einzeln aufgehängt. Deswegen sind die so teuer!"

"Ha ha."

 

Im Museumscafé kostet ein Milchkaffee drei Euro zehn.

 

Eine Frau.

"Fünf Euro kostet so 'n Kärtchen? Und das ist für 'n guten Zweck?"

"Ja. Dafür, dass ich nicht verhungere."

"Nee. Aber das ist doch hier in dem Kulturprogramm. Das ist doch öffentlich."

 

Eine Frau. "Ah. Und das sind alles Blumen, die vom Aussterben bedroht sind?"

 

Irgendwann habe ich dann noch eine Blume verkauft. An eine Frau, die zu einem Geburtstag eingeladen

ist. Und die Blumen da mitbringen will. Sie freute sich sehr.

 

 

 

noch drei Tage

 

Eine Frau kauft eine Schnittblume. "Die nehme ich mit zum Besuch im Krankenhaus. Da sind Blumen unerwünscht."

 

 

 

noch fünf Tage

 

Der Blumenladen wird wunderschön. Ganz toll. Heute kamen schon die ersten Museumsbesucher neugierig ganz nah ran.

"Verkaufen Sie da Pommes?"

"Aber das passt doch gar nicht hier ins Foyer!"

"Saachen's Se mal, verkaufen Se hier auch Lebkuche?"

"Der Mann sacht, er verkauft keine Lebkuche und keine Würstchen."

"Ach, hat das mit den Tieren zu tun, die hier überall in der Stadt hängen?"

 

noch sechs Tage

 

Die Vielfalt braucht mein Engagement. Deshalb bin ich jetzt in Bonn. Der Esel, 's Äffle und das Schwein sind auch schon da. Sie lungern auf der Straße rum, genau vor der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland.

Und der Bär auch. Den Bär hab ich allerdings in Verdacht, dass ihm die Vielfalt ziemlich Wurscht ist.

Es ist wunderschön, es ist Mitte Mai, es ist Sommer. Und Bonn ist Bundesstadt. Bonn ist Die Stadt. Bonn ist The UN-City. Verwirrende Vielfalt. Was ich nicht gefunden habe, ist ein Supermarkt. Lebensmittel scheinen in Bonn nicht sehr verbreitet zu sein. In den Straßen hört man Menschen in vielen verschiedenen Sprachen sprechen. Das kenne ich auch aus Berlin. Nur, hier sind es keine Neuköllner Prollos oder Ostvertriebene. Hier sind es junge Menschen in teuren Poloshirts und schöner Haut, die aus dem UN-Campus kommen, die sich den ganzen Tag für Projekte engagiert haben, die an der Rheinpromenade schlendern und dann Freunde treffen, um mit ihnen noch ein bisschen auf der Blumenwiese vor der ehrwürdigen Universität in der Abendsonne zu sitzen.

 

 

noch dreiunddreißig Tage


Es gibt einen offiziellen Song zur internationalen Konferenz. Von der weltweit bekannten, internationalen Band Höhner. Das scheint mir sinnvoll und gut. Und ich überlege jetzt, ob ich auch einen offiziellen Song für den internationalen Blumenladen brauche:


Kauft Blumen - Kauft Blumen jetzt! - Wir sind eine Welt - Kauft Blumen - Kauft Blumen jetzt! - Denkt an die Kinder - Kauft Blumen jetzt! - Denkt nicht an morgen - Wir werden untergehen - Kauft Blumen - Kauft Blumen jetzt! - Wir sind eine Welt - Denkt an die Eisbären - Kauft Blumen jetzt! - Wir sind eine Welt - Buy flowers -  Buy flowers now! - Don't think, buy flowers now! - Buy flowers - Buy flowers now! - Ich bin ein Teil dieser Welt - Ich kaufe Blumen - Ich kaufe Blumen jetzt - Ich bin Teil - I am a part of it - It is just a dream -  Ich kaufe Blumen für eine bessere Welt - Gibt es Hoffnung? - Gibt es eine bessere Welt? - Ich kaufe Blumen - Ich kaufe Blumen jetzt - I buy flowers - I buy flowers now - Ein Teil dieser Welt - Jeder Einzelne zählt - Ich kaufe Blumen - Ich kaufe Blumen jetzt - Es ist eine kranke Welt - Jeder Einzelne zählt - Ich kaufe Blumen - Ich kaufe Blumen jetzt - I buy flowers - I buy flowers now - Für jeden ist eine Blume da - Keiner kann sagen: Das ist meine Blume allein! - Wir kaufen Blumen - Wir kaufen Blumen in Rot und in Gelb - Wir kaufen Blumen - Wir kaufen Blumen für eine bessere Welt - Wir kaufen Blumen - Deine Blume und meine Blume - Es sind unsere Blumen - Wir kaufen Blumen - Wir kaufen Blumen in Rot und in Gelb - Wir kaufen Blumen - Wir kaufen Blumen für eine bessere Welt - Wir denken an die Kinder - Wir denken an die Eisbären - Wir kaufen Blumen - Wir kaufen Blumen für eine bessere Welt - No one can say: This flower is mine! - Wir sind Teil - We are part of it - Gemeinsam viele kleine Blumen kaufen - Hand in Hand - hand in hand - Wir kaufen die Blumen dieser Welt - Wir kaufen Blumen - Wir heilen die Welt - Wir sind Freunde - Wir kaufen Blumen - before the end - die Welt gehört uns nicht allein - Wir kaufen Blumen - Wir kaufen die Blumen dieser Welt - Wir kaufen Blumen

 

 

noch vierunddreißig Tage / die Broschüre ist fertig.

 

 

noch fünfunddreißig Tage

 

Bob Geldof spielt zur Eröffnung des Blumenladens am 19. Mai in Bonn. Zur Eröffnung des letzten Blumenladens in Berlin spielte Bob Rutman auf einem selbstgebauten Instrument. Das fand ich sehr schön. Es war nur leider saukalt und kein Mensch da.

 

 

noch sechsunddreißig Tage

 

Das Greenpeace Magazin berichtet von 'Fliegenden Rosen'. "Der Blumenanbau belastet im Krisenland Kenia die Umwelt - gibt aber Tausenden Arbeit."


Ob der Blumenladen die Umwelt belastet, weiß ich gar nicht so genau. Wahrscheinlich schon. Irgendwann im letzten Herbst bin ich dann mal nach Bonn gefahren, und habe gemeinsam mit den Menschen von der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland überlegt, wo man den Blumenladen denn am besten aufbauen könnte.

 

 

noch siebenunddreißig Tage

 

Vor einem Jahr im Frühling kam eine Kuratorin in den Blumenladen in Mitte. Sie hatte über den Blumenladen in der Zeitung gelesen, und sie sagte, sie organisiere gerade ein kulturelles Rahmenprogramm für irgendsoeine

Konferenz im Mai 2008 in Bonn. Und der Blumenladen passe sehr gut dazu. Ob ich denn Interesse hätte, da mitzumachen. "Klar", sagte ich, "sehr gerne". Sie hat dann den Blumenladen in ihre Mappe aufgenommen und ihn in Bonn vorgestellt.


Viele Monate später habe ich dann die Einladung bekommen, den Blumenladen während der Konferenz in Bonn aufzubauen. In der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland


Die Konferenz ist so ein großes, kompliziertes Ding mit vielen Tausend internationalen Teilnehmern. Es geht um Naturschutz, im weitesten Sinne. Und damit es nicht so dröge ist, gibt es eben ein bisschen bunte Kunst und

Kultur drumherum. Offiziell heißt das dann so:


"Im Zusammenhang mit der UN-Naturschutzkonferenz 2008 entsteht ein kulturelles Verbundprogramm, das die Wechselwirkung zwischen biologischer und kultureller Vielfalt deutlich macht. Nach der Präambel desÜbereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD - Convention on Biological Biodiversity) soll die biologische Vielfalt nicht allein aus ökologischen, genetischen, sozialen, wirtschaftlichen, gesundheitlichen und wissenschaftlichen Gründen bewahrt werden, sondern auch wegen ihres erzieherischen, kulturellen und ästhetischen Werts. Diese Werte können durch das kulturelle Programm in besonderer Weise sichtbar gemacht werden."


Und zur Konferenz heißt es:


"Deutschland ist Gastgeber der neunten UN-Naturschutzkonferenz. Vom 19. bis 30. Mai 2008 werden etwa 5000 Vertreterinnen und Vertreter aus aller Welt in Bonn zusammenkommen. Sie werden die Ergebnisse ihrer bisherigen Bemühungen zum Schutz der biologischen Vielfalt vorstellen und über weitere Maßnahmen beraten. Die UN-Naturschutzkonferenz ist das politische Gremium zum 'Übereinkommen über die biologische Vielfalt'. Dieses Abkommen ist 1992 beim Erdgipfel in Rio de Janeiro geschlossen worden. 189 Staaten und die Europäische Union (EU) haben es unterzeichnet. Grundlage des Übereinkommens ist die Einsicht, dass der Schutz der biologischen Vielfalt ein Anliegen der gesamten Menschheit ist."


Letztes Wochenende widmete die taz viele Seiten der Konferenz und dem Thema Biodiversität. Die Schlagzeile der Titelseite lautete "Muss ich bald aussterben?", und dazu das riesige Foto eines Frosches, der herzzerreißend erbärmlich glotzte.

 

 

Die taz schreibt: "Was steckt hinter dem Wortungetüm Biodiversität? Der in den 80er-Jahren geprägte Begriff geht über die klassischen Konzepte von Arten- und Naturschutz hinaus. Biodiversität, oder biologische Vielfalt, meint nicht nur die Vielfalt von Arten, sondern auch die der dazugehörigen Lebensräume und die genetische Vielfalt innerhalb von Arten, die eine wichtige Voraussetzung für das Überleben in einer sich verändernden Umwelt darstellt. Das Umweltministerium findet die Bezeichnung zu kompliziert und nennt die UN-Konferenz zur Biodiversität in ihren Veröffentlichungen UN-Naturschutzkonferenz."